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Silberrausch und Bauernkrieg: Martin Luther in seiner Welt. Eine Zeitreise durch Mitteldeutschland

14.08.2017 - 21.08.2017

Dauer: 8 Tage, mit Bus

Leitung: Dr. Andreas Cante

Preis p.P. im DZ (Ü/HP) 1.392,-€

EZ-Zuschlag 189,-€

(inkl. Eintritte)

Seit mehr als einer Dekade bereitet sich die protestantische Welt auf den 500. Jahrestag von Martin Luthers „Thesenanschlag“ vor. Großveranstaltungen wie die „Weltausstellung der Reformation“ in Wittenberg werden die Bedeutung von Luthers Ideen für Gegenwart und Zukunft herausstellen. Unser Ziel ist bescheidener: Wir wollen versuchen, Luther als Kind seiner Zeit zu begreifen, einer Zeit tiefgreifender Wandlungen in Gesellschaft, Wirtschaft, Geistesleben und Kunst. Dazu fahren wir nach Eisleben, wo er geboren wurde und nach Mansfeld, wo er seine Kindheit verbrachte. Das Mansfelder Land war damals ein Bergbaurevier, und Luthers Vater stieg vom Bauern zum Kleinunternehmer im Bergbau auf. Anderen gesellschaftlichen Sphären begegnen wir in der Großstadt Erfurt, wo Luther studierte, mit Humanisten in Kontakt kam und in das Kloster der Augustiner-Eremiten eintrat, einen der für die spätmittelalterliche Stadtkultur und Frömmigkeit so typischen Bettelorden. Eine Ausstellung wird dieses Thema vertiefen. Der grassierenden Judenfeindschaft, von der auch Luther ergriffen wurde, lässt sich in der Alten Synagoge nachspüren, die im Zuge eines Pogroms im 14. Jh. profaniert und vor einigen Jahren museal erschlossen wurde. Eine weitere Sphäre betrat Luther als Professor in der kleinen Residenz- und Universitätsstadt Wittenberg. Hier trat er mit seinen Thesen und bahnbrechenden Schriften hervor – und wurde überrollt von der Breitenwirkung, die seine Ideen infolge der „Medienrevolution“ des Buch- und Bilddrucks entfalteten. Nach der Ächtung Luthers war es Kurfürst Friedrich der Weise, der ihn 1521 auf die Wartburg in Sicherheit bringen ließ. Luther inspirierte viele, und bald schon verknüpften radikale Prediger wie die „Zwickauer Propheten“ oder Thomas Müntzer die Idee evangelischer Freiheit mit Forderungen nach sozial-ökonomischen Erleichterungen für den „Gemeinen Mann“. 1525 entluden sich die Spannungen der Zeit im Bauernkrieg. Spätestens jetzt zeigten sich die wahren Machtverhältnisse, denn die Aufstände wurden überall von den Fürsten niedergeschlagen. Luther, der den Gehorsam gegenüber weltlicher Obrigkeit propagierte, war nun erst recht Mann der Stunde, und die Sicherung und Ausbreitung der Reformation gingen fortan Hand in Hand mit dem Ausbau frühneuzeitlicher Staatlichkeit. Die Fürsten erkannten, dass die Reformation es ihnen erleichterte, sich das Kirchenwesen zu unterstellen und durch Einziehung von Kirchen- und Klostergut ihre Finanzgrundlagen zu stärken. Im Gegenzug vertraten einige mutige Vorreiter unter Fürsten und Reichsstädten ihre Reformvorstellungen offen vor Kaiser und Reich, so auf dem Augsburger Reichstag von 1530 mit der Übergabe der Confessio Augustana. Der noch immer geächtete Luther konnte dies nur aus der Ferne verfolgen, diesmal von der südlichsten Burg seines Landesherrn, der Veste Coburg aus. Auch dort wird 2017 eine wichtige Ausstellung zu sehen sein. Werke von Künstlern wie Dürer, Cranach und Grünewald in den Kunstsammlungen der Veste bieten zudem die Möglichkeit, dem Problem künstlerischer Tätigkeit im frühen 16. Jh. nachzugehen – ein spannendes Thema, denn viele Kritiker der Papstkirche, zunächst auch Luther, standen dem Gebrauch von Bildern im Kirchenraum kritisch gegenüber. Umgekehrt erhielten einige Hofkünstler erweiterte Aufgaben in der immer prächtigeren Hofhaltung ihrer fürstlichen Herren. Nicht weniger spannend ist die Entwicklung des Kirchenbaus, der um 1500 in Sachsen eine Blüte erlebte. Die Annenkirche im erzgebirgischen Annaberg, eine der schönsten spätgotischen Kirchen Deutschlands, repräsentiert das Kirchenverständnis eines entschiedenen Luther-Gegners, Herzog Georgs von Sachsen aus der Dresdner Linie der Wettiner. Das gestiegene Selbstbewusstsein der Bergleute zeigt Hans Hesses „Annaberger Bergaltar“. Über die Einführung der Reformation hinweg wurde an der Wolfgangskirche der Bergstadt Schneeberg gebaut, die einen großen „Reformationsaltar“ der Cranach-Werkstatt birgt. Viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren über eine Zeit, in der sich unsere neuzeitliche Welt zu formieren begann!

HIERZU SEMINAR AB 22./23.11.

 

PROGRAMM (Änderungen und Umstellungen vorbehalten!)

Mo 14.8.
Busfahrt von Hamburg über Mansfeld (Schloss) und Eisleben (St. Peter und Paul, Luthers Geburtshaus) nach Erfurt; Hotelbezug (4 Nächte in zentralem 4-Sterne-Haus).

Di 15.8.
Erfurt: Augustinerkloster, Collegium Maius, Alte Synagoge, Krämerbrücke, Sonderausstellung „Barfuß ins Himmelreich. Martin Luther und die Bettelorden in Erfurt“ im Stadtmuseum.

Mi 16.8.
Allstedt: Schloss, Thomas-Müntzer-Ausstellung, Stadtrundgang. Bad Frankenhausen: Panorama Museum (Monumentalgemälde von Werner Tübke).

Do 17.8.
Eisenach: Wartburg mit Sonderausstellung „Luther und die Deutschen”. Erfurt: Kaufmannskirche.

Fr 18.8.
Weiterfahrt über Coburg (Veste mit Sonderausstellung „Ritter, Bauern, Lutheraner“, Moritzkirche) nach Zwickau; Hotelbezug (3 Nächte in zentralem 4-Sterne-Haus).

Sa 19.8.
Zwickau: Katharinenkirche, Marienkirche, Priesterhäuser. Glauchau: Schloss Hinterglauchau mit Kunstsammlung.

So 20.8.
Annaberg-Buchholz: Erzgebirgsmuseum, Annenkirche. Schneeberg: Wolfgangskirche.

Mo 21.8.
Busfahrt von Zwickau über Wittenberg (Sonderausstellung „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“, Stadtrundgang mit kurzem Blick in einzelne „Tore der Freiheit“ im Rahmen der „Weltausstellung der Reformation“) nach Hamburg.

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Die Vorburg der Wartburg in Eisenach
Foto: Andreas Cante
Die Vorburg der Wartburg in Eisenach
Foto: Andreas Cante
Das Katharinenportal am Lutherhaus in Wittenberg
Foto: Andreas Cante
Das Katharinenportal am Lutherhaus in Wittenberg
Foto: Andreas Cante
Lutherdenkmal in Wittenberg von Johann Gottfried Schadow
Foto: Andreas Cante
Lutherdenkmal in Wittenberg von Johann Gottfried Schadow
Foto: Andreas Cante
Das Panoramamuseum in Bad Frankenhausen
Foto: Andreas Cante
Das Panoramamuseum in Bad Frankenhausen
Foto: Andreas Cante